Staying with the trouble – Donna Haraway

Haraway, D. J. (2016). Staying with the trouble: Making kin in the Chthulucene. Duke University Press; Introduction.

Please respond to the text in the form of a blog-post. Don’t give a summary of the reading itself as all of us will read it. Instead, understand it as an invitation to think of the topic in discussion, respond to it! What thoughts or feelings does it evoke? Do you agree with the ideas put forward in the text, do you disagree? What is your opinion? What comes to your mind?
Before posting a new comment please notice the comments your fellow students made before you. Read them, take them into consideration, try to relate to the opinions expressed therein with your own contribution.

Feel free to further investigate Donna Haraway.

A wonderful introduction to her thinking is the film «Donna Haraway: Story Telling for Earthly Survival» by Fabrizio Terranova: https://earthlysurvival.org/

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Submission date for response 01 – April 27th 2021
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20 thoughts on “Staying with the trouble – Donna Haraway

  1. Laura

    Donna Haraways Methode des „SF“ erscheint mir in ihrer vielfältigen Bedeutung auch durchaus passend als definierender Charakter für die Gesamtheit ihrer Überlegungen: ein unendlich verwobenes Geflecht, durch das man sich erst einmal durcharbeiten bzw. durchkämpfen muss..
    Vielleicht ist das auch nicht richtig formuliert, letztendlich ist eine vollkommende Einordnung, ein vollkommenes Verständnis weder möglich noch von der Verfasserin (wahrscheinlich?) erwünscht.

    Was ich durch das kurze Lesen der Einleitung Haraways für mich mitnehme, ist die Bedeutung des Zeitortes der Gegenwart als Ursprung von Analyse und Veränderung. Auch, dass man Unruhe oder Verwirrung, „trouble“, zulassen kann und sollte – ähnlich einer Anleitung zum Innehalten, zum verschnaufen. Es muss nicht für jedes zunächst augenscheinliche Problem eine Lösung, eine Korrektur oder eine Analyse des weiteren Werdegangs parat sein. Die Unruhe selbst als einen Tentakelarm innerhalb vieler, in sich verwobener Arme gefällt mir als Vergleich.

    Interessant bei Haraways Fantasie für eine Zukunftsgestaltung der Menschheit angesichts der drohenden Überbevölkerung finde ich, dass sie durch ihre erstellten Szenarien gleichzeitig aktuelle und gegenwärtige Probleme behandelt und versucht, denk- und vor allen Dingen themenübergreifend zu lösen. Einen realistischen Zusammenhang zu bestehenden oder zukünftigen Kausalitäten kann ich für mich selbst wenig entdecken… viel mehr sehe ich die besprochenen Ideen als Denkanstöße für eine utopische Analyse der ganzen komplexen Zusammenhänge auf der Welt. Ein Denkanstoß in eine ganz andere Richtung, bei der die tatsächliche Machbarkeit oder Umsetzung zunächst außer Acht gelassen wird.

    Auch wenn ich durchaus interessante Aspekte und vor allem eindrucksvolle Formulierungen und Metaphern in meinem Kopf behalten habe, habe ich mich nach dem Lesen verloren gefühlt, auch ein bisschen überfordert. Vielleicht war es zu viel Input auf einmal, Input, den ich davor noch nie gehört hatte, wild angeordnet und vorgestellt – was letztendlich auch zum Titel passt: das Lesen hat sicherlich eine Art Unruhe in mir gestiftet.. bin auf jeden Fall schon auf die weiteren Kommentare gespannt.

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  2. rnueb

    Der Titel des Buches beschäftigte mich bereits vor dem Lesen stark: Was hat es mit dem Ansporn, „unruhig bleiben“, auf sich? In den letzten Jahren hatte ich durch aufstrebende Trends wie Meditieren, Yoga oder (Digital) Detox eher den Eindruck, dass „Ruhe bewahren“ bzw. „zur Ruhe kommen“ gewissermaßen zum Mantra unserer Gesellschaft geworden ist.
    Gefangen in ersten Verwirrungen begann ich also zu lesen – doch die Hoffnung, schnell Klarheit zu erlangen, erfüllte sich nicht. Dennoch weckte Haraways unkonventionelles Vorgehen verbunden mit zahlreichen Neologismen mein Interesse. Sie scheint total offen zu sein für neue Gedankengänge und Verbindungen, was eine wilde Geschichte entstehen lässt. Zunächst fiel es mir schwer, mich in dieses bildhafte und auf die Spitze getriebene Erzählen hineinzudenken, wie es auch Laura beschreibt. Doch im Nachhinein, nach wiederholtem Lesen, erkenne ich zunehmend die Idee hinter ihrem phantasievollen Schreibstil und dessen starken Aussagen.

    Ich finde v.a. das Statement „make kin not babies“ sehr einprägsam, welches fordert sich zusammenzuschließen und gegenüber anderen, auch nicht-menschlichen Wesen, verantwortlich zu fühlen. Allein dieser Punkt lässt viel Kritik an unserer egoistisch eingestellten Gesellschaft zu. Viele gehen mit einer unvorstellbaren Selbstverständlichkeit durchs Leben, im Sinne von „nach mir die Sintflut“, aber ohne schlechtem Gewissen, weil ihnen nicht bewusst ist, wem gegenüber sie eigentlich in ihrem (Nichts-)Tun verpflichtet sind.
    Der im Text durch vielfältige „Fadenspiele“ verkörperte Wunsch des Austausches, nach mehr Interdisziplinarität, inspiriert außerdem Kräfte und Wissen (art-)übergreifend zu bündeln: So entsteht noch nie Dagewesenes. Letzens habe ich z.B. von einem bunt zusammengesetzten Start-Up gelesen, das veganen Lachs mittels 3D-Druck produziert.

    „Unruhig bleiben“ kann also eine Aufforderung sein, stets neugierig durch die Welt zu gehen, Bestehendes zu hinterfragen und Neues auszuprobieren. Es ist nicht das Ziel sich auf dem Status Quo auszuruhen, sondern vielfältige Beziehungen einzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Haraways Text motiviert mich, mutiger zu sein, die Augen weit offen zu halten und zeigt, dass auch ausgefallene Phantasien bzw. ungewöhnliche Vorschläge legitim sind.

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  3. Alix

    “Staying with the trouble”. In my current life I try to avoid trouble, thus I was a little confused by Haraway’s statement.
    I feel like Haraway’s narrative, with her neologisms and the (unquiet) expression of her own thoughts let me in a kind of fuzziness about my conception of the society and humanity. However, it feels as if it was her point with her text: to make us doubtful about our world. She made me aware about the complexity and the multiplicity of better possibilities (or society ?) we can live in – even some fantasist options get my attention.

    Her concept of Chthulocene is interesting to me: the ideal opposite of the Anthropocene, our Homo-centric society. Therefore, I also question our whole life conception: Currently we always look for more profit and more comfort without considering the damage we cause to other critters.
    The Chthulocene doesn’t represent a spatio-temporal era, but it is an era we could create, where human-beings would live in communication with the other critters. Furthermore, current issues and themes are put together with passed and/or future oriented themes in order to offer new perspectives on life.
    The discussion on the topic “create a multi-species life” is to me about how we can life together with the other critters (also non-human) of the earth, but also how we can add a diversity of points of view and conceptions in our society. The header of the second chapter “Tentacular thinking” confirms this idea of melting – issues and themes and species and times …

    So, for me, Haraway’s introduction is a kind of invitation to reconsider and re-create our life – not only our current life but the whole life of the humans on earth.
    To conceive this new and unconventional life conception, she prompts us to use our creativity and to open our mind to our environment (human and non-human), and be aware of the all the possibilities, even the most unconventional ones.

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  4. hannajungclaus

    Der Text von Donna Haraway ‘Staying with the trouble’ eröffnet mir viele neue Blickwinkel auf die Welt und die Gesellschaft. Ich habe etwas gebraucht, um in den besonderen Schreibstil zu kommen und ich bin mir nicht sicher, ob ich alles, was Sie mit ihren Worten beschreibt, verstehe. Ihre Kritik am Antropozän, ist sehr präsent und ihre Welt wird häufig mit Science-Fiction übermalt, was für mich manchmal nicht ganz greifbar ist, mich aber zum Nachdenken anregt und eine gewisse Unruhe in mir stiftet. Ich vermute, dass Haraway genau dies mit Ihrem Text auslösen möchte und somit das von ihr ernannte Zeitalter des ‘Fortdauernden Lernens’ auszuleben und zu verbreiten. Vielleicht möchte sie uns Menschen sagen, dass es nicht die Zeit ist sich ‘auszuruhen’, sondern zu handeln.

    Haraway erkennt Probleme der Gegenwart, geht dann jedoch ganz anders an die Sache heran. Um zu verhindern, dass die Welt nachhaltig zerstört wird reagiert sie z.B. auf die Überpopulation mit dem Ansatz, dass wir in anderen Formen der Verwandtschaft zusammenleben müssen. Auch der Vergleich zum Fadenspiel zeigt eine gewissen Flexibilität auf, bei der schon vorhandenes aus einem ‘Klumpen’ entnommen werden kann und dann anders und sinnvoller wieder eingebunden werden kann. Diese Freiheit Dinge neu zu ordnen und grundlegend zu überdenken klingt für mich erstrebenswert.

    Auch vertritt sie ‘speculative feminism’ und sagt, wir müssen aus männlichen Erzählungen aussteigen. Das erinnerte mich an einen Artikel aus der ‘Zeit’ (06.01.21 ‘Damenopfer’), indem steht, dass bei der Festlegung der Grundgesetzte der Bundesregierung (1949) 61 Männer und 4 Frauen involviert waren, von denen zwei die Meinung vertraten, man müsse gleiche Bezahlung für alle durchsetzen. Dies wurde nicht durchgesetzt und bildet bis heute eine ungleiche Grundlage.

    Persönlich hat der Text und auch der Film von Donna Haraway mir kreative und utopische Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, und wie auch ‘rnueb’ schreibt Mut gemacht Dinge anzugehen.

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  5. MA

    Wie auch den Verfasser*innen der bereits hochgeladenen Beiträge, fiel auch mir das Lesen des Textes von Donna Haraway nicht leicht. Ihre Sätze scheinen nicht klar und deutlich formuliert, viel mehr wirken ihre Aussagen mehrdeutig und regen mich in jedem Fall zum Nachdenken an.

    Grundsätzlich erscheinen mir ihre Gedanken und Aussagen zu den vorherrschenden Problemen richtig. Haraway liefert einen originellen Zusammenhang der Geschehnisse unserer Zeit. Um zu überleben, müssen wir „unruhig bleiben“, wir müssen umdenken- allerdings nicht als Individuum Mensch, sondern alle zusammen. Nicht mehr der Mensch alleine steht im Mittelpunkt, vielmehr müssen wir anfangen von anderen “Völkern” (im weitesten Sinne des Wortes) zu Lernen.

    Da wir (Menschen) dabei sind, unseren Planeten zu zerstören, müssen wir um unser weiteres Überleben kämpfen. Ich stimme Haraway zu, dass Ausbeutung und Wachstum ein Ende haben sollten, jedoch erscheint mir dabei ihr Lösungsansatz die Idee des „Menschen“ loszulassen, sehr radikal und wenig umsetzbar. Ich erkenne, dass das Zeitalter des Menschen auf der Erde begrenzt ist und, dass wir anderen Individuen wieder vermehrt Platz schaffen müssen um unser System möglichst lange zu erhalten. Jedoch wirkt ihr Ansatz eines „artenübergreifenden Gedeihen“, ohne die weiteren Kapitel des Buches gelesen zu haben, auf mich etwas befremdlich.

    Der kurze Einblick in Haraways Text und ihre Ansichten erscheinen mir weniger als realisitische Zukunftsgedanken, als viel mehr eine Utopie. Im Gedächtnis bleibt mir besonders ihr ganz anderer Blickwinkel auf Dinge, und die Art diese zu beschreiben. Gleichzeitig hinterlassen der originelle Schreibstil und die bildhaften Vergleiche viele Fragezeichen in meinem Kopf. Vielleicht ist genau das ihr Ziel.

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    1. fritschal

      Liebe MA, ich finde deine Beitrag sehr interessant. Jedoch finde ich deine Zweifel am “artenübergreifenden Gedeihen” und die Idee den “Menschen loszulassen” ein bisschen schade.

      Ich glaube dir fällt es sehr schwer, sich vorzustellen, dass es eine Welt auch ohne uns Menschen geben kann. Allein weil du schreibst, dass wir ANDERE Individuen wieder mehr Platz geben müssen um UNSERE System zu erhalten. Aber was ist den UNSER SYSTEM ? Liegt hier nicht schon “der Fehler im System” es als UNSERES zu bezeichnen ? Klar das Anthropozänzeitalter verkörpert unser System. Aber ist das wirklich ein Gutes ?

      Ich muss dabei sehr stark an das Thema Technologien denken. Wenn ich mir so überlege, welche Technologien der Mensch seit seiner Existenz auf der Erde so entwickelt hat, dann zweifle ich manchmal an unsere Intelligenz. Eigentlich haben wir größtenteils s.g “tote Technologien” geschaffen. So zum Beispiel fast alle technischen Maschinen. Sie sind drauf konzipiert, dass sie iwann kaputt gehen. Es gibt immer einen gewissen Verschleiß, der entweder durch ein Ersatzteil oder meistens durch den Kauf bzw. die Anschaffung des exakt gleichen Geräts in Neu besteht.

      Somit haben wir es geschaffen ein stabiles Wirtschaftssystem aufzubauen, indem wir Menschen uns durch Konsum und Anschaffung gegenseit zum Reichtum gebracht haben. Bzw. die gesamte Menschheit eine kleinen Prozentsatz von “uns” zum Wohlstand verholfen hat.

      Das dieses ganze System aber auf endlichen Ressourcen basiert (Öl,Sand,Wasser etc.) interssiert uns dabei recht wenig. Oder erst seit kurzer Zeit ein bisschen…..

      Vergleichen wir also unser System beispielsweise mit dem “pflanzliche Systemen” dann sind wir ganz schön hinten dran…
      Wenn wir nämlich unsere Finger aus dem Spiel lassen, da entwickeln die Pflanzengesellschaften ein in sich stabiles System, das sich gegenseitig stützt und berreichert.

      Und jetzt versuchen wir Menschen auf einmal die “Natur” bzw. “natürliche System” nachzuimmitieren, weil wir festgestellt haben wie genial sie sind.

      Und warum machen wir das ? Um UNS – den Menschen – wieder ein bessere Lebensgrundlage zu geben. Schon ziemlich egoistisch oder ?

      Zusammenfassend will ich damit sagen, dass es vielleicht garnicht so abwägig ist den Mensch mal ganz aus der “Welt” herausszunehmen… Ich weiß das ist radikal & wird wahrscheinlich eh nicht passieren.

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  6. roschelle

    Ich hatte etwas „trouble“ Haraways „staying with the trouble“ zu verstehen. Sie schreibt sehr dicht und erzeugt ein Bild nach dem anderen ohne wirklich Raum zu lassen die Bilder zu verstehen, die vielen Neologismen tuen ihr Übriges dazu. Wenn gerade ein Bild aufgebaut wird, führen die nächsten Worte bereits weiter, es entsteht ein tentakelhaftiges Dickicht in dem man versucht ihren Gedanken zu folgen. Daher passt die Schreibweise gut zu ihre Idee, ich finde es auch gut, wenn ein Autor es wirklich schafft ebenfalls in seinem Schreibstil sein Gedankenkonstrukt darzustellen. Nur habe ich dadurch eben nicht sofort verstanden worauf sie eigentlich hinauswill. Ich denke an dieser Stelle macht es Sinn das ganze Buch zu lesen, ich habe das Gefühl erst dann kann man wirklich verstehen, was ihr Chutuluzän wirklich meint.

    Ihre Herangehensweise neue Erzählungen zu schaffen finde ich sehr interessant. Wir Menschen denken, kommunizieren und erinnern uns in Geschichten. Eine neue Narrative zu finden ist daher eine sinnvolle Idee, um die Menschen zum umdenken zu bewegen. Ihre Methode „Science Fiction“ und „Science Facts“ zu mischen kann vielleicht auch schwierig sein in der momentanen Zeit. Ich denke da an die Problematik der fake news. Eine aus dem Zusammenhang gerissene Erzählung birgt die Gefahr, dass die einen sie für bare Münze halten, denn es sind ja auch wissenschaftliche Fakten dabei, und andere sie zu schnell als Fake News und Täuschungsversuch verurteilen. Dabei setzen sich die meisten unserer Geschichten aus Wahrheit und Fiktion zusammen, in unterschiedlicher Gewichtung. Hier regt sich keiner auf, da es bekannt ist, dass es nur eine Geschichte ist. Das selbe muss also auch für Haraways neue Narrative erreicht werden. Es sind „nur“ Geschichten, aber aus diesen werden – aus einem sehr sinnvollem Grund – neue Werte über uns und unser Zeitalter vermittelt. Also eine spannende Herangehensweise! Ob die Geschichten sich eignen, dazu kann man nach der Einleitung nichts sagen.

    Zum Schluss möchte ich noch auf „make kin, not babies“ eingehen. Dieser Aufruf geht ans Eingemachte und auch hier gibt es für Kritiker eine große Angriffsfläche. Nach der dem lesen der Einleitung verstehe die Aufforderung aber nicht als Aufruf von Oben herab in die Rechte der Menschen einzugreifen sich fortzupflanzen. Kritiker fragen vielleicht: ja aber wie sonst will sie das Umsetzen/kann sie es meinen? Die Kombination mit ihrem Einsetzen für eine stärkere reproduktive Selbstbestimmung von Frauen, kann bei Kritikern glaube ich missverstanden werden.
Ich habe vor allem über den ersten Teil dieser Aussage nachgedacht: „make kin“ Sie hat recht, dass wir völlig überbevölkert sein werden und eigentlich darüber nachdenken sollten, wie wir weniger werden. Der Fokus auf die eigene Verwandtschaft aber lässt einen blind werden für das Leid und Übel, dass andere Wesen (nicht nur Menschen) erleben. Ich sehe hier den Aufruf sich mit seinen Mitkreaturen (Mensch und Tier) vertraut zu machen, als eine sehr sinnvolle Aufgabe.
Um nun auch mit einem Bild aufzuhören:Wie Scheuklappen tragende Pferde ziehen wir den Ballast unserer Vergangenheit immer weiter und weiter, das Ziel ist es weiterzuleben, sich fortzupflanzen, dass eigene Vorankommen zu sichern. Darauf laufen wir zu und weil wir nicht nach recht oder links blicken (können), laufen wir an Chancen vorbei, sehen nicht den Vorteil darin sich die Last und die Verantwortung zu teilen und zerstören das, was im Weg liegt.

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  7. Ricarda

    Donna Haraway löste Unruhe in zweierlei Hinsicht in mir aus. Das Lesen führte zu einer ähnlichen Wahrnehmung, wie sie auch von den Anderen in ihren Beiträgen geschildert wurde. Viele tiefgehende und scheinbar ungeordnete Gedanken, welchen vorerst nur schwer zu folgen war, stifteten bereits Unruhe während des Lesens.

    Der von ihr getätigte Appell „unruhig zu bleiben“, zu Handeln und Verantwortung zu übernehmen beschäftigte mich jedoch langfristiger.
    Haraway spricht von einer Verwandtschaft des Menschen mit anderen Arten. Dabei bleibt für mich offen, wie das Verschwimmen der Grenzen im Zeitalter des Chthuluzän zwischen Mensch und Tier aussieht. Ich fasse diese Verwandtschaft als das von ihr beschriebene responsable gemeinsame Leben auf der Erde auf. Wie auch „MA“ beschrieben hat, sollte bei einem gemeinsamen Leben auf der Erde nicht mehr alleinig der Mensch im Zentrum stehen, sondern vielmehr das Leben anderer Arten und Kreaturen einen gleichwertigen Platz einnehmen. Dabei spricht Haraway ebenfalls von einer „dichten Gegenwart“ von Menschen und anderen Arten zueinander. Diese Dichte fasse ich als Kern der Verwandtschaft auf. Dass zur Zeit kaum Dichte zueinander besteht, lässt sich anhand der egoistischen Handlungsweise des Menschen bestätigen. Ohne jegliche Legitimation zerstören wir Lebensräume anderer Arten und verursachen hiermit ein Artensterben. Ich stelle mir die Frage, ob die Dichte von der Haraway spricht, in der Vergangenheit bereits einmal bestand oder ob sie von einer gänzlich neuen Art der Dichte spricht. Wie würde diese neuartige Dichte aussehen? Hier stoße ich wieder auf die eingangs gestellte Frage. Haraway hinterlässt mich nach ihrer Einleitung mit vielen offenen Fragen zu aktuellen Problematiken. Das Weiterlesen scheint lohnenswert, sollte sie in ihrem Buch Antworten auf diese Fragen finden.

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  8. Sophia

    Ich muss zugeben, dass auch ich ein paar Anläufe gebraucht habe, um manche Textpassagen zu verstehen und zu verarbeiten. Zum Teil bin ich mir nach wie vor unsicher, ob ich die Botschaften richtig einordne und interpretiere.

    Donna Haraway schreibt auf eine sehr abstrakte, aber denn noch inspirierenden Art und bringt einen durch ihre ungewohnte Sicht auf die Welt ordentlich ins Nachdenken. Besonders die Fragen, wem wir gegenüber verantwortlich sind, wer lebt, wer stirbt und auf welche Art und Weise, versetzten mich zweifellos in Unruhe. In solchen Fragen wird so vieles, was wir einfach hinnehmen, ohne darüber nachzudenken, in Frage gestellt. Der Gedanke daran, wie sehr wir Menschen alles was auf der Welt existiert negativ beeinflussen oder sogar zerstören, inklusive uns selbst, ist schmerzhaft. Tatsächlich fällt es mir schwer dieser so egoistischen, abgebrühten, profitorientierten Gesellschaft in die Augen zu sehen. Gleichzeitig bin ich genauso ein Teil davon. Ich fühle mich im Anthropozän und Kapitalozän gefangen und vermute, dass es vielen so geht.

    Bei der Vorstellung von artenübergreifendem Gedeihen, das menschliche und anders-als-menschliche Wesen in die Verwandtschaft miteinschließt, habe ich ein buntes, lebendiges Bild von der Erde und ihren Bewohnern im Kopf. Gleichzeitig erscheint mir das so fern von unserem alltäglichen Leben und unseren gewohnten Denkstrukturen, dass ich mich frage, was passieren muss damit wir zumindest im Ansatz dorthin kommen. Gleichzeitig wundere ich mich auch darüber, wie genau das Chtuluzän aussehen wird und wohin wir eigentlich wollen. Was genau bedeute „macht euch verwandt, keine Babys“ für mich? Spiele ich als Individuum überhaupt noch eine Rolle? Wie sieht meine Aufgabe und meine Umwelt als Teil einer miteinander verbundenen und verwobenen Verwandtschaft aus? Was müssen wir aufgeben, neu interpretieren und was kann erhalten bleiben?

    Durch die sonderbare Herangehensweise die Probleme der Zeit und der Weg aus der Krise auf eine so abstrakte, fiktive, bildliche und doch so eindringliche Weise zu beschreiben, hat es Donna Haraway geschafft ihren Apell „staying with the trouble“ gerecht zu werden. Die aufgeworfenen Fragen treffen ins Mark der Gesellschaft. Für mich bleibt: Wir werden miteinander, oder gar nicht!

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  9. KS

    Donna Haraway’s way of thinking and method of its presentation is very inspirational. To be honest, it took me a little to understand her complex way of putting things into perspective, as mentioned in other comments above too. Even so, after going through the introductory chapter and watching the film by Fabrizio Terranova, I agree with the need to take environmental responsibility by supporting multispecies perspectives. People tend to follow their own needs and aims egoistically and that is how society shapes the earth – exploiting and destroying it. The problem is that many people close their eyes towards what is not affecting them directly or what they do not want to consider to be true. In that way they do not have to question their perceptions and change their own behavior. Consequentially, no responsibility for that is taken at all.

    To me, a very important aspect is to acknowledge not only one’s own perspective and imagination. This would be just a way of shutting doors to what is, was and may be. Oneself has always a positional limited perspective. “Staying with the trouble” is also a call for an ongoing learning process. To overcome individual prioritizing, it is crucial to transform our thinking. That means, acknowledging and engaging with different perspectives and knowledge as well as processing the inherent complexity of the presence – being more connected and therefore responsible for our planet. For the latter it is also necessary to understand the conditions shaping the presence to reveal what alternatives can be developed for a joint future on earth. But how is it possible to take all relevant situated perspectives into account – especially the non-human ones? Who takes the decisions about how to live together as equal beings? And who puts changes into practice after all?

    Donna Haraway’s thinking encourages me – as rnueb mentions in her comment too – to always stay curious while actively seeking new or unseen constellations. That helps me to take responsibility and to create the unexpected continuously.

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  10. Annabell

    Bevor ich zu Lesen begann hat auch mich der Titel „unruhig bleiben“ zum Nachdenken gebracht. Als ich über den Zustand „unruhig sein“ nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass diese Eigenschaft oft negativ behaftet ist. Anstatt unruhig zu sein, Unruhe zu stiften oder für Unruhe zu sorgen soll man in seiner Mitte sein, ausgeglichen, geerdet sein. Doch beim Nachdenken über den Zustand ist mir aufgefallen, dass Unruhe der Ursprung von Veränderung ist. Obgleich im positiven oder negativen Sinn. Man ändert die gegenwärtige Situation, in der man sich befindet, nur wenn man unruhig ist. So schreibt es Donna Haraway auch in ihren ersten Zeilen. Einerseits soll Unruhe gestiftet werden um Wachzurütteln – andererseits sollen „aufgewühlte Gewässer“ beruhigt werden. Sie spielt mit Kontrasten und Gegensätzen, die sich gut ergänzen.

    Zusätzlich war ich natürlich überwältigt von den bunten Metaphern eingehüllt in ein Gespinst von gesellschaftlichen Thematiken. Vor allem ihr Gedankenanstoß „sich verwandt (zu) machen“ fand ich interessant. Sie beschreibt eine erfinderische „Praxis des Lernens“, die ein Miteinander zulässt. Auch die Betrachtung von einer ganzheitlichen Bevölkerung der Erde, obgleich menschlicher oder nicht-menschlicher Natur. Alle sind wir Bewohner des Planeten – die alle eine Daseinsberechtigung haben. Sie wünscht sich ein „artenübergreifendes“ Zusammenarbeiten, Zusammendenken, Zusammenleben statt Individualismus und beschreibt das Anthropozän und Kapitalozän als Ursprung allen Übels. Da würde ich ihr zustimmen.

    Haraways einleitenden Gedanken ihres Buches laden zum Überdenken ein. Ohne ein Schema einhalten zu müssen. Ein freies vernetztes Denken, das fantasievoller nicht sein kann.

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    1. rnueb

      Genau diese Verwirrung zwischen dem Apell von Haraway “unruhig bleiben” und den Anforderungen unserer Gesellschaft mit dem obersten Ziel “zur Ruhe kommen” hat mich auch lange beschäftigt. Ich empfinde es auch so, dass “unruhig bleiben” meistens negativ behaftet ist: Wenn man z.B. als Kind unruhig ist, heißt es von Eltern, den Lehrern usw. man sei ein “Zappelphilipp” oder hätte keine Disziplin. Vielleicht will Haraway auch genau das bewirken, dass man immer ein bisschen Kind in sich bewahren soll? Mir kommt es so vor, als hätte sie sich diese Intention schon einverleibt. Für Kinder, deren Phantasie oft unglaublich sein kann, könnte die Geschichte, die sie erfindet und in ihrem Buch erzählt, vielleicht sogar leichter zu verstehen sein, als für (rein) rational denkende Erwachsene, die sich nicht so unbeschwert auf die beschriebenen, neuen Bilder einlassen können…

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  11. Lisa Luksch

    Ich kenne Donna Haraway, ihr Buch und den Film noch aus dem Semester zu utopischen Zukunftsszenarien mit Anne Femmer und Florian Summa. Dabei stand die filmische Umsetzung einer Welt, wie sie Haraway beschreibt, im Vordergrund.
    Vertieft beschäftigt habe ich mich mit den in Kapitel 4 „Sich verwandt machen“ angesprochenen feministischen Themen und der Rolle der Frau im Bezug auf Mutterschaft. Sophie Lewis’ Buch „Full Surrogacy Now. Feminism Against Family“ (https://www.versobooks.com/books/2951-full-surrogacy-now) greift die Ideen Haraways auf und treibt sie weiter: Die Methodik der Leihmutterschaft ersetzt das Bild der klassischen Kernfamilie; der Anspruch von Eltern auf Kinder allein auf Basis ihrer Genetik wird überkommen. Die Übernahme kollektiver Verantwortung für Kinder würde unsere Vorstellungen von Verwandtschaft radikal verändern und die Gesellschaft als soziales Gefüge stärken.
    Doch Haraway geht noch einen Schritt weiter: Sich „verwandt zu machen“, beschränkt sich bei ihr nicht wie bei Lewis auf Menschen außerhalb der sog. Kernfamilie. Sie erzählt eindrücklich von „Symbionten“, zeichnet Bilder von Wesen, deren Gene nicht mehr allein menschlich sind. Die Aussage, die ich dahinter als essentiell betrachte, ist die, den Menschen – sich selbst – nicht als den Mittelpunkt, sondern als Teil eines systemischen Netzes zu verstehen; sich selbst (wieder) mehr einzubringen in die Gesamtheit aller Lebewesen auf dem Planeten Erde, um dessen Gleichgewicht wieder einzustellen (siehe: Human nicht von „homo“ sondern von „humus“). Ein eindrückliches und ebenso verstörendes Bild dieser engeren Verwandtschaft von Mensch und Tier zeichnet auch der Film „The Lobster“ (https://www.youtube.com/watch?v=kr3Aamy5Jsc), an den ich bei diesem Thema direkt denken musste.
    Wie schon bei Prof. Jem Bendells Text ist es für mich die Bewältigung omnipräsenter Probleme durch ein soziales Miteinander, das es in Zukunft zu stärken gilt. Haraways Szenarien sind dabei ein ganzheitlicher, wenn auch sehr abstrakter Ansatz, kollektive Betroffenheit durch ein neues System an Verwandtschaften in soziales Engagement umzusetzen.

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  12. ClaraMB

    “Staying with the trouble” is a wild book, and for me, an exhausting one. The mix of science fiction and programmatic writing, with its monstrosities of words, was not easy to digest.
    But I agree with Donna Haraway when she advocates remaining restless: As we are in the process of permanently destroying our planet through overexploitation, overpopulation, and overproduction, this restlessness could be the fuel to make a difference.

    And I agree, we will not survive as individuals, but only in “co-becoming” with other species. “Making kin” was a theme that was on my mind even before reading Haraway’s text. But rather questions like: What makes a family, who can be declared family, and how can we break away from a conservative, entrenched expectation of family or kinship. Until now, I have asked myself these questions against the backdrop of gender, love, and a woman’s role (or my role) in all of this. Focusing not only on humankind, but seeing ourselves as part of the earthly network will definitely change my chain of thought on kinship.

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  13. Sophie

    Als ich die Einleitung gelesen habe, fand ich die interdisziplinäre Herangehensweise von Donna Haraway interessant. Gleichzeitig war es auch nicht leicht dem Text zu folgen, weil so viele verschiedene Themen angesprochen und miteinander verknüpft wurden. Es ist spannend, von ihren Ansichten aus Naturwissenschaft und Feminismus in Relation zueinander zu lesen.
    Wie Vielen ist auch mir besonders die These „make kin, not babies“ im Gedächtnis geblieben. Damit gibt sie einen Denkanstoß, dass wir ein neues Verständnis für Verwandtschaft brauchen und dass man Verantwortung füreinander übernehmen sollte. Ich finde den Ansatz schlüssig, dass sich jeder bewusst machen sollte, wie er mit der Umwelt und ihren Ressourcen umgeht und wie man sich positioniert. Auch kritisiert sie damit die Erwartungshaltung der Gesellschaft an Frauen und dass man sich von den klassischen Stereotypen lösen sollte. Ich glaube gerade während der Coronakrise zur Zeit geraten solche Denkansätze leider in Vergessenheit. Aus der Einleitung geht die Frage hervor, was man sich noch erlauben kann, heutzutage nicht zu wissen. Viele Minderheiten werden auf Kosten der Wohlstandsgesellschaft verdrängt oder eingeschränkt. Oftmals erscheint es leichter, sich über etwas nicht zu umfassend zu informieren, anstatt ein schlechtes Gewissen zu haben. (z.B. beim Thema Konsum)
    Sie spricht zudem an, dass die Gesellschaft die Muster, wie sie denkt, an die nächsten Generationen übergibt und man sich deswegen immer wieder bewusst machen sollte, woher die eigene Denkweise kommt. Wie oft muss man sich mit dem Totschlagargument „Das war doch schon immer so.“ in Diskussionen auseinander setzen. Allerdings finde ich, dass man das nicht auf jede Situation übertragen kann. Oft entstehen ja Generationenkonflikte, weil andere Denkarten vorhanden sind. Ich sehe den Text auch als Denkanstoß, offen zu sein, seine eigene Haltung in Hinsicht auf neue Erkenntnisse, immer wieder zu überdenken.

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  14. PaulineS

    Es fühlt sich ein wenig so an, als würde man tatsächlich in einem Fantasy-Roman lesen, exotische Wortneuschöpfungen wie „Kritter“, „Chthuluzän“ oder „Kompostisten“ springen dem Leser entgegen. Doch wenn man in den Schreibstil hineinkommt und die verworrenen Stränge entheddert hat, wird einem bewusst, dass es hier um den realen Ernst der Zukunft des Planeten Erde geht!

    Schon in ihrer Einleitung thematisiert Donna J. Haraway mehrfach die Prognose, dass die Weltbevölkerung bis 2100 auf 11 Milliarden Bewohner ansteigen wird, 9 Milliarden davon wären dann nur in den letzten 150 Jahren hinzu gekommen! Je näher ich über diese Zahlen nachdenke, desto absurder erscheinen sie mir – ein derartig rapider Wachstum war mir dann doch nicht so ganz bewusst! Es fehlt mir an Vorstellungskraft, wie das System Erde dann noch funktionieren soll. Schon jetzt droht das Gleichgewicht zu kippen. Der Homo Sapiens lebt nicht mehr wie in den größten Teil seines erdlichen Wandelns im Einklang mit der Natur. Mittlerweile hat er sich in der Ära des Anthropozän und Kapitalozän zu einem zerstörerischen Monster entwickelt. Es verlangt also den Anbruch einer neuen Zeitphäre: dem Chthuluzän. Hier geht es um das miteinander, die Verwandtschaft von „menschlichen und anders-als-menschlichen Wesen“, die „Kultivierung artenübergreifender Gerechtigkeit“. Anderenfalls, wenn wir es uns weiterhin in unserer Welt aus Profit, Konsum und Macht bequem machen, wird das nicht nur zum Krieg unserer Spezies untereinander führen, sondern noch viel schlimmer: Durch den Egoismus eines großen Teils der Menschheit zum Ausrotten beinahe aller nichtmenschlichen Wesen führen.

    Der mich an das Jugendbuch „Goldener Kompass“ erinnernde Ansatz von symbiogenetischen Verbindungen zwischen Menschenkindern und einem Tiersymbioten in ihrem letzten Kapitel des Buches fasziniert mich. Donna J. Haraway gelingt es, die Kreativität anzuregen, komplett abwegige fantastische Ansätze zu entwickeln. Ich bin da ihrer Meinung, dass der enge Austausch untereinander und das Weiterverfolgen von verrückten Ideen der richtige Weg sein kann.

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  15. Constantin

    Die Phantasie und deren kritische Reflektion kann ein enormes Potential der Menschen sein.
    Mit dieser Aussage möchte ich meinen Kommentar beginnen, denn Donna Haraway und vor allem auch Eure Beiträge haben mich auf diesen Gedanken gebracht.
    Im Grunde folgt ja jedes Lebewesen einem evolutionären Drang zu überleben. Der Weg des Überlebens und die Definition der notwendigen Faktoren des Überlebens sind allerdings auch Teil einer gemeinsamen Realität.

    Alix spricht davon, dass wir auf unserer suche nach Profit und Komfort gar nicht über die Schäden an anderen Lebewesen nachdenken. Liegt das nicht grundsätzlich an unserer menschlichen Realität, in der wir als Gesellschaft definiert haben, dass Komfort und Sicherheit hauptsächlich vom materiellen Besitz und uneingeschränktem Zugang zu Nahrung abhängt ?

    Entscheidend für mich ist die Schlussfolgerung, dass wir – die einzige Spezies mit der Macht die Welt zu zerstören – unser Verhalten immer weniger nach einer Überlebensintuition ausrichten, die beispielsweise andere Lebewesen als einzige Prämisse bestimmt und so für Ausgeglichenheit im Ökosystem sorgt.
    Wir leben doch nach gemeinsam erdachten Konzepten, auf die sich die Menschheit mehr oder weniger geeinigt hat. Unsere Realität die uns antreibt in einem System, dessen evolutionären Grund wir vielleicht schon vergessen haben.

    Rochelle formuliert, meiner Meinung nach, einen treffenden Vergleich mit Zugpferden mit Scheuklappen, die einfach voran marschieren ohne das Konzept und die Vergangenheit, die Sie ziehen, zu hinterfragen. Sie spricht auch vom Fokus auf die eigene Verwandtschaft, die einen blind werden lässt. Ein Verständnis, zwar entstanden durch einen evolutionären Überlebenssinn, jedoch heute viel weniger relevant für ein langes Leben, Einflussnahme und das Überleben der menschlichen Spezies als Ganze.

    Ich glaube je mehr wir Hinterfragen und Reflektieren, mehr Phantasie wie Haraway’s Ideen zulassen, um neue Konzepte einer Realität zu erdenken versuchen, desto besser können wir als Spezies uns weiterentwickeln und Lebenskonzepte definieren die langfristig nachhaltig sind.

    Auch in diesen neuen Konzepten/Lebensrealitäten werden wir wahrscheinlich nicht umhin kommen, verschieden Teile unserer macht- und konsumorientierten Gesellschaft beizubehalten, aber viellicht in einer neuen Ordnung, die auf unserem Planeten langfristig und nachhaltig funktioniert.

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    1. rs

      Hey Constantin,
      du schreibst „Ein Verständnis, zwar entstanden durch einen evolutionären Überlebenssinn, jedoch heute viel weniger relevant für ein langes Leben“ – also die Fokussierung auf unsere eigenen Nachkommen und außschließich die engste Familie war vorteilhaft für unswer Überleben. Ich überlege gerade, ob es nicht eher andersrum war.
      Zunächst: ja, der Drang sich fortzupfalnzen ist wahrscheinlich der stärkste in der Natur und es gibt genug Beispiel, in denen ein harter Überlebenskampf herrscht und den eigenen Fortfahren ohne Rücksicht auf andere der bestmögliche Start gegeben wird. Manche Arten ziehen hier mit Scheuklappen durch die Lande. Aber anders als wir Menschen, haben diese Arten nicht die Macht die ganze Welt dabei zu zerstören, das tun nur wir.

      Wenn ich so mein evolutionsbiologisches Wissen (hauptsächlich durch viele Tierdokus angeeignet) reflektiere, dann ist es in der Natur eben oft so, dass der Fokus nicht auf der eigenen direkten Nachkommenschaft liegt, sondern auf das Weiterbestehen meiner Gruppe. Bspw. bei Wölfen und Löwen bekommt nur das dominante Paar Kinder, damit das gesamte Rudel auf die Nachkommen aufpassen kann. Und ich weiß jetzt hierzu leider nicht mehr die Quelle, aber ich glaube die Erklärung dafür, warum bei Frauen die Menopause eintritt ist, dass so die jüngeren Äffchenmütter Unterstützung von den älteren Äffchenmüttern erhalten. (Ich weiß nicht ob Affen auch in die Menopause kommen, aber irgenwann auf dem Weg zum Menschen, muss diese ja dazu gekommen sein.) Es hat unseren Vorfahren also eher geholfen zum Überleben nicht den Fokus auf nur die direkten Nachfahren zu haben. Und man kennt ja auch das Sprichwort „es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen“. Der Fokus auf die eigenen Nachkommen ist eine Phänomen der westlichen Welt, in denen große mehrgenerationale Familien selten geworden sind. Und damit relativ neu – auch hier finde ich es erstaunlich wie schnell jahrhundertelang tradierte Werte und sinnvolle soziale Konstrukte ersetzt wurden.

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  16. Constantin

    Hey Rochelle, danke Dir für die genauere Einordnung zum Überlebensverhalten vieler Arten, die sich als Gruppe verstehen. Ich verstehe auch deine Überlegungen, ob das Bevorzugen der eigenen engen Verwandtschaft überhaupt vorteilhaft war für den Mensch in seiner Evolution. Allerdings wollte mit diesem Beispiel weniger den Punkt stärken, dass wir aus Überlebenssinn handeln, sondern vielmehr, dass auch unser Verständnis von Verwandtschaft/Familie ein Teil der gemeinsamen Realität sind, die sich in unserer Gesellschaft entwickelt hat. Ich wollte so einen möglichen Anstoß geben, grundsätzliche Strukturen unserer Gesellschaft zu hinterfragen, um mit Phantasie auf neue Ideen zu kommen. Damit meine ich nicht, dass man alles bekannte und gelebte ablegen sollte, sondern nur das man hinterfragt, warum man sich stärker für wen und was einsetzt. Beispielsweise könnte es für die dicht lebende Stadtbevölkerung ja immer wichtiger werden, sich in Hausgemeinschaften stärker zu solidarisieren und zu kümmern und so einen höheren Lebensstandard mit weniger Ressourcen zu gewinnen. Deswegen meine ich, jetzt in diesem Beispiel, dass sich das Verantwortungsgefühl der Menschen im Alttag verschieben oder erweitern müsste und wir dafür aber ein Stück weit unser Gesellschaftskonzept ändern müssten.

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    1. rs

      Hey, ich denke wir meinen das gleiche, ich sehe auch, dass wir unser Gemeinschaftsgefühl erweitern sollten und so eine bessere Chance haben in einer unbekannten Zukunft zu leben.
      Ich habe mit meinem Kommentar eher darüber nachgedacht, dass das von dir und mir beschriebene ja eigentlich nichts neues ist, sondern schon immer in uns angelegt war. Die Abkehr von diesen uns eigentlich immanenten Verhaltensweisen ist in meinen Augen ein Phänomen der Neuzeit.

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